Vier Fragen an…Thomas Geisel (SPD)
Thomas Geisel strebt bei der Wahl am 13. September eine zweite Amtszeit als Oberbürgermeister an / Foto: M. Gstettenbauer

Vier Fragen an…Thomas Geisel (SPD)

Am kommenden Sonntag (13. September) wählt Düsseldorf einen neuen Oberbürgermeister oder eine neue Oberbürgermeisterin. Thomas Geisel will sich dabei eine zweite Amtszeit sichern. CDU-Kandidat Stephan Keller war bis 2016 Verkehrs- und Ordnungsdezernent in Düsseldorf. Die Grünen schicken den Landtagsabgeordneten Stefan Engstfeld ins Rennen, während mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann eine der bekanntesten Politikerin der FDP antritt. Wir haben den aussichtsreichsten Kandidaten vier Fragen gestellt. Heute: Thomas Geisel

Corona, Umweltspuren – nur zwei Themen, bei dem eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft offen zu Tage tritt. Wie wollen Sie dem entgegentreten und wieder für mehr Ausgleich, eine gesunde Diskussionskultur mit Argumenten statt Beleidigungen sowie Solidarität in Politik und Gesellschaft sorgen?

Wichtig erscheint mir in beiden Fällen, dass die Diskussion sachlich geführt wird. Bei Corona geht es um ein durchaus gefährliches Virus, von dem wir uns aber mit geeigneten Vorkehrungen schützen können. Deshalb sollten in der Diskussion nicht Angst und Hysterie, schon gar nicht aber Verharmlosung und Verschwörungstheorien den Ton angeben. Vielmehr sollte es primär um die Frage gehen, was unter welchen Voraussetzungen angesichts der Pandemie ermöglicht werden kann. Ich denke, diesbezüglich sind wir in Düsseldorf auf einem ganz guten Weg.

Die zum Teil sehr polemisch geführte Diskussion um die Umweltspur erfüllt mich durchaus mit Sorge. Wir sollten nicht aus dem Blick verlieren, dass noch vor einem Jahr sich die ganze Diskussion um die Verhinderung von Dieselfahrverboten drehte. Dies ist uns durch die Einführung der Umweltspur, die ja – auch das sollte man nicht vergessen – auf eine Initiative der CDU-Landesumweltministerin zurückgeht und Teil des Luftreinhalteplans der CDU-geführten Bezirksregierung ist, offenbar gelungen. Ich habe manchmal den Eindruck, dass dieselben Leute, die mich nach Bekanntwerden der Klage der Deutschen Umwelthilfe, eindringlich aufgefordert haben, alles zu unternehmen, um Dieselfahrverbote zu verhindern, heute die lautstärksten Gegner der Umweltspur sind. Glaubwürdig finde ich das nicht!

Stichwort Corona: Bei der Diskussion um Maskenpflicht und Abstand sind die Folgen unter anderem im Bereich Kultur etwas aus dem Blick geraten. Mit welchen konkreten Maßnahmen abseits von Aktionen wie großen Konzerten möchten Sie um ihre Existenz kämpfende Kleinkunstbühnen und Künstlerinnen/Künstler unterstützen?

Wir tun in der Tat sehr viel für die Künstlerinnen und Künstler. Zum einen hat der Rat eine Verwaltungsvorlage beschlossen, auf deren Grundlage insgesamt ein Betrag in Höhe von 730.000 Euro zur Sicherung der kulturellen Infrastruktur, also insbesondere der privaten und in der Regel nicht gerade mit einer dicken Kapitaldecke ausgestatteten kleinen Kultureinrichtungen zur Verfügung gestellt wird. Darüber hinaus haben wir mit dem Projekt „Heimatsommer“ vielen Künstlerinnen und Künstlern und ihren Konzertveranstaltern wieder Auftrittsmöglichkeiten gegeben.

Die Gesellschaft wird zunehmend älter. Mit welchen konkreten Angeboten für die einzelnen Gruppen (Kinder/Jugend, Familien, Berufstätige, Singles, Senioren) wollen sie die Balance zwischen den Generationen erhalten beziehungsweise herstellen?

Das Miteinander der Generationen ist in der Tat für den sozialen Zusammenhalt in der Düsseldorfer Stadtgesellschaft von erheblicher Bedeutung. Als Kommune wollen wir allen Gruppen der Stadtgesellschaft Angebote machen. Dies betrifft zum einen etwa Einrichtungen, die sich an bestimmte Zielgruppen wenden, also Kitas, Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Familienzentren, Zentren plus, Einrichtungen der Tages- und stationieren Pflege und so weiter. Darüber hinaus wollen wir aber auch ganz gezielt das Miteinander der Generationen fördern, etwa durch Wohnprojekte, die sich an alle Generationen wenden.

Durch Corona gerät die Zukunft der Schule in den Mittelpunkt. Welche neue Formen des gemeinsamen Lernens auch in Zeiten einer Pandemie können Sie sich vorstellen? Und wie könnte eine konkrete Umsetzung im Rahmen der städtischen Zuständigkeit aussehen?

Ich denke, zum gemeinsamen Lernen in der Schule, also zum „analogen“ Präsenzunterricht, gibt es keine sinnvolle Alternative. Gerade Kinder mit Migrationshintergrund oder aus sogenannten bildungsfernen Milieus laufen Gefahr, beim „Home-Schooling“ den Anschluss zu verlieren. Nichtsdestotrotz gilt es, den digitalen Wandel auch im Schulalltag voranzutreiben. Deshalb haben wir in Düsseldorf während der „Corona-Zwangsferien“ allen Schulen eine digitale Bildungsplattform zur Verfügung gestellt und insgesamt weitere 15.000 iPads besorgt, um sicherzustellen, dass jedes Kind Zugang zu einem digitalen Endgerät hat.

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