Vier Fragen an…Stefan Engstfeld (Bündnis 90/Die Grünen)
Stefan Engstfeld möchte neuer Oberbürgermeister von Düsseldorf werden / Foto: Dominic Heidl

Vier Fragen an…Stefan Engstfeld (Bündnis 90/Die Grünen)

Am kommenden Sonntag (13. September) wählt Düsseldorf einen neuen Oberbürgermeister oder eine neue Oberbürgermeisterin. Thomas Geisel will sich dabei eine zweite Amtszeit sichern. CDU-Kandidat Stephan Keller war bis 2016 Verkehrs- und Ordnungsdezernent in Düsseldorf. Die Grünen schicken den Landtagsabgeordneten Stefan Engstfeld ins Rennen, während mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann eine der bekanntesten Politikerin der FDP antritt. Wir haben den aussichtsreichsten Kandidaten vier Fragen gestellt. Heute: Stefan Engstfeldt

Corona, Umweltspuren – nur zwei Themen, bei dem eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft offen zu Tage tritt. Wie wollen Sie dem entgegentreten und wieder für mehr Ausgleich, eine gesunde Diskussionskultur mit Argumenten statt Beleidigungen sowie Solidarität in Politik und Gesellschaft sorgen?

Der gesellschaftliche Trend der Verrohung und Polarisierung ist besorgniserregend. Ein Grund ist, dass sich Menschen nicht gehört, nicht verstanden und nicht mitgenommen fühlen. Und meinen, sie könnten nichts entscheiden. Da müssen wir als Politik ansetzen – mit neuen Formen der Mitbestimmung und dem Vorleben von fairem Miteinander. Zeit nehmen, Zuhören, Zusammen anpacken. Das ist der Politikstil, für den ich stehe. Deshalb suche ich so oft wie möglich das Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern. Ich will ein Miteinander statt Gegeneinander. Ich stehe für Respekt vor der anderen Meinung und dafür, scheinbare Gegensätze zu einer neuen Lösung zu kombinieren. Ich möchte Brücken bauen und Partizipation an politischen Entscheidungen ermöglichen, wie zum Beispiel durch Bürger*innen-Räte, einen Bürger*innen-Haushalt und eine frühe Anhörung der Anwohner*innen, Anlieger*innen, Initiativen und Verbänden bei Projekten – und zwar schon vor Anfertigung einer Verwaltungsvorlage.

Stichwort Corona: Bei der Diskussion um Maskenpflicht und Abstand sind die Folgen unter anderem im Bereich Kultur etwas aus dem Blick geraten. Mit welchen konkreten Maßnahmen abseits von Aktionen wie großen Konzerten möchten Sie um ihre Existenz kämpfende Kleinkunstbühnen und Künstlerinnen/Künstler unterstützen?

Wir haben erfolgreich dafür gekämpft, dass es auch Corona-Hilfen für die vielfältigen kleinen Initiativen gibt. Tatsächlich ist die Kultur als freiwillige Leistung immer als erstes von Kürzungen bedroht, wenn es Einbrüche im städtischen Haushalt gibt. Die Bewältigung der Corona-Krise, aber auch die Veränderungen, die durch die Klima-Krise auf uns zukommen, sind aber nur mit einer Gesellschaft zu stemmen, die zusammenhält und sich weiterentwickelt. Mit Hilfe des Potentials und der Ressourcen von Kunst und Kultur entwickeln und stärken wir diesen Zusammenhalt.

In den vergangenen Jahren hat die Ampel-Kooperation bereits für wachsende Mittel im Bereich Kultur gesorgt. Es wurden unter anderem der Etat für die Freie Szene um eine Million Euro erhöht und ein städtischer Ankaufsetat für Kunst im öffentlichen Raum eingerichtet. Insgesamt stieg der Kulturetat um 34 Prozent. Dahinter wollen und werden wir mit mir als Oberbürgermeister nicht zurückfallen.

Schon lange fehlen der Freien Kultur Räume. Ich werde Räume für die Freie Kulturszene schaffen, mich für die Errichtung eines Produktionsortes für die bildenden Künstler*innen, weitere Atelierräume und Zwischenlösungen für hygienegerechte Proben- und Aufführungsräume einsetzen. Ein Leuchtturm könnte dabei die Anmietung des Ratinger Hofes durch die Stadt sein – als Ort für Livemusik und Förderung der Musik der Zukunft. 

Die Gesellschaft wird zunehmend älter. Mit welchen konkreten Angeboten für die einzelnen Gruppen (Kinder/Jugend, Familien, Berufstätige, Singles, Senioren) wollen sie die Balance zwischen den Generationen erhalten beziehungsweise herstellen?

Neben zielgruppenspezifischen Angeboten möchte ich vor allem Räume für Begegnungen schaffen – denn ohne sie kann es keinen Zusammenhalt in der Stadt geben. Dazu gehören auch grüne Oasen und begrünte Plätze, die zum Verweilen einladen. Ich finde auch zum Beispiel die vergrößerten Terrassen der Gastronomie an vielen Stellen sehr schön. Ich möchte Düsseldorf eben für alle noch lebens- und liebenswerter machen: Mit mehr Platz für Menschen und mehr GRÜN. Mit belebten Vierteln und bezahlbaren Wohnungen. Mit rheinischer Offenheit für die Vielfalt der Menschen, der Frauen und Männer jeden Alters, der Kinder und der Jugendlichen. So schaffen wir eine Stadt, in der sich alle wohlfühlen.

Durch Corona gerät die Zukunft der Schule in den Mittelpunkt. Welche neue Formen des gemeinsamen Lernens auch in Zeiten einer Pandemie können Sie sich vorstellen? Und wie könnte eine konkrete Umsetzung im Rahmen der städtischen Zuständigkeit aussehen?

Die Zeit der Schulschließungen hat nochmal gezeigt, wie unterschiedlich gut die technische Ausstattung der Schulen und das technische Know-How der Lehrer*innen ist, diese anzuwenden. Deshalb müssen wir die Digitalisierung der Schulen endlich voranbringen, einhergehend mit entsprechender Schulung der Lehrer*innen. Zudem wollen wir den Schüler*innen mehr Platz zum Lernen bieten und mit außerschulischen Lernorten, wie beispielsweise Museen, Instituten, Bibliotheken und Parks/Förstereien, zusammenarbeiten.

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