„Rausch und Ritual – Weingenuss in der Antike“
Attisch-rotfigurige Amphore, Mänade mit Thyrsosstab, 470/460 v. Chr., Foto: Hetjens – Deutsches Keramikmuseum

„Rausch und Ritual – Weingenuss in der Antike“

Das Hetjens – Deutsches Keramikmuseum eröffnet mit „Rausch und Ritual – Weingenuss in der Antike“ seine erste Online-Ausstellung. Die digitale Ausstellungseröffnung mit einer Preview des Ausstellungsfilms ist unter www.facebook.com/hetjensmuseum zu sehen. Dort wird am Mittwoch (6. Mai) um 18 Uhr auch eine Kuratorenführung abrufbar sein. Der digitale Katalog zur Ausstellung ist unter https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/symposion auf den Seiten der Deutschen Digitalen Bibliothek zu finden. In der Ausstellung werden antike Keramiken aus dem griechischen, etruskischen und römischen Kulturraum präsentiert. Es handelt sich hauptsächlich um Gefäße, die beim Gelage zum Einsatz kamen. Keramische Grabbeigaben bezeugen die wichtige Rolle, die das Trinkgelage in positiven Jenseitsvorstellungen spielte. Ein Ausstellungsfilm und ein nachgebautes Ruhebett sollen den Besucher selbst zum Zeugen eines Symposions machen.

Der Trinkkultur war im alten Griechenland ein eigenes Fest gewidmet, das Symposion: Eine Männerrunde konsumierte im feierlichen Rahmen edlen Wein und gedachte dabei des Weingottes, der ihnen diesen zum Geschenk gemacht hatte. Das gemeinsame Weintrinken war streng ritualisiert. Ein Symposionsvorsteher entschied, wie viel jeder Gast von dem geschätzten Getränk erhielt und worüber die Unterhaltung geführt wurde. Der große Beitrag des antiken Trinkgelages zur europäischen Kultur bestand in zweierlei Hinsicht. Zum einen waren Symposien Inhalt vieler künstlerischen Werke. So wurden sie von antiken Autoren umfangreich beschrieben und ließen die Leser in diese besondere Welt eintauchen. Zum anderen gaben die Symposien den Künstlern und Philosophen auch selbst eine Bühne. Literarische und musikalische Darbietungen waren während der Trinkfeste sehr beliebt. Auch das Kunsthandwerk spielte eine bedeutende Rolle und kam den Bedarf an schönen, zum Symposion passenden, Gegenständen nach. Diese aufwendig produzierten Gefäße werden nun in der Ausstellung im Hetjens präsentiert.

Die Symposien verdeutlichen nicht nur den Wohlstand und den Geschmack der jeweiligen Käufer, in ihren Bildern spiegelt sich auch die Lebenswelt der Oberschicht. In einer Zeit, in der Politik und Gesellschaft auf persönlichen Beziehungen beruhten, festigte die geteilte Kultur den Zusammenhalt. Die gegenseitige Einladung zu Gastmählern stärkte die Zugehörigkeit und konnte sogar entscheidend für den Zugang zu politischen Ämtern sein.

Die bereits erstaunlich globalen Kultur- und Wirtschaftsbeziehungen werden am antiken Symposion ebenfalls besonders deutlich. Die Griechen hatten Trinksitten aus dem Osten entlehnt und ihnen eine ganz eigene Form gegeben. Obwohl das Symposion zu einer durch und durch griechischen Institution wurde, die einem tausendfach in Kunst und Dichtung begegnet, entwickelte es sich schon früh zu einem regelrechten „Exportschlager“. In Italien wurden wesentliche Elemente übernommen und die wertvolle griechische Keramik stellte eine gern gesehene kulturelle Dreingabe dar. Die Römer wiederum gaben ihre Trink- und Esssitten an die eroberten Provinzen weiter. Wie der römische Historiker Tacitus provokant schrieb, unterwarfen sich die Briten den Römern auch wegen der erlesenen Gelage ihrer Besatzer. Auch in den römischen Villen am Rhein freute man sich an weltoffener mediterraner Geselligkeit. Diese Trinkfreudigkeit hat das Rheinland bis heute nicht eingebüßt, wie die Keramiken des Hetjens eindrücklich belegen.

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